20. 12. 2021
Jetzt hat es uns erwischt. Gerade hat Jürg angerufen, dass die Familie, mit der wir gestern unterwegs waren, Corona hat. In den nächsten Stunden wird der Anruf kommen, dass wir, wenn es das Omikron-Virus ist auch wir, in Quarantäne müssen. «Was nähmest du mit, wenn du zehn Tage auf eine Einsame Insel gehst?» ist nun die Frage. Ich habe verkündet, dass ich Spitzbuben machen möchte. Für das nämlich nehme ich mir nie Zeit.
Die Waldhütte scheint mir jetzt grad ein Segen. Hier oben könnte ich mich mit den Kindern verschanzen. Und da dürften sie nämlich auch raus, ist nämlich wohl nicht definiert, wie gross das Grundstück ist, das zur Hütte gehört… Daneben fällt mir jede Minute etwas ein, das wir absagen müssen.
Abend: zum Glück war es Fehlalarm, wir kamen nochmals davon…
21. 12. 2021
Eine Reporterin hat sich angemeldet, die über das Projekt schreiben will. Noch weiss ich nicht, ob überhaupt jemand da sein wird, dann aber meldet sich meine Schwägerin an. Genau die richtige ist sie, selbst interessant mit eifrigen Kindern.
Ich mache das Haus bereit und warte. Zuerst kommt die Schwägerin mit den Kindern. Ich machen ein paar Gestaltungsvorschläge. Häufig gehe ich von Kunstkarten aus, so auch diesmal. Alle sollen sich eine wählen und dann damit weiterarbeiten, drei Möglichkeiten biete ich an. Es wird ein wunderschöner Nachmittag. Die Reporterin kommt und klinkt sich gleich ein. So gestalten wir gemeinsam, sprechen ein bisschen, die Schwägerin erweist sich als echte Unterstützung. Als alle gegangen sind, habe ich ein gutes Gefühl.
27. 12. 2021
Es ist Altjahrswoche und das merke ich auch hier. Verschiedene Leute kommen, verweilen. Zum Nachtessen haben wir Freunde eingeladen. Weltoffene Menschen, die einen ganz interessanten Lebensentwurf haben. Doch mit ihren fünf Kindern, steht auch ihnen zuweilen das Wasser bis zum Hals, davor schützt wohl auch der beste Lebensentwurf nicht ganz…
Am kommenden Morgen erscheint mein Bruder mit seiner Familie. Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen und das Zusammensein ist herzlich. Inzwischen glaube ich, dass gute Gespräche zur Magie der Waldhütte gehören. Und die Leute lassen sich Mal für Mal auf das Gestalten ein, was mich glücklich macht. Meine eigene Kunst wandelt sich. Ich habe begonnen, grosse Bleistiftzeichnungen coloriert mit Aquarell anzufertigen.
4. Jan. 2022
Es scheint mein Karma zu sein, mit einer Horde Kinder unterwegs zu sein, gestern war ich mit fünf Kindern auf der Piste. Es war ein schweisstreibendes Unterfangen da ich den Jüngsten ständig zwischen den Beinen hatte. Am Abend erklärte mir meine Freundin bei einem langen Spaziergang, dass sie die Kinder jeweils in die Skischule schickt und ich meldete Rouven sofort an.
Heute bin ich endlich wieder hier. Es ist still und es ist warm draussen, ganze 15 Grad. Schon in ein paar Stunden muss ich zurück. Aber die Stille sauge ich auf, wie ein Schwamm frisches Wasser. Ich mache ein Bild fertig, sonst lasse ich es mir gutgehen, schreibe, lese, pflege Kontakte.
11. Jan. 2022
Es ist ein Tanz ums Feuer. Es ist grenzwertig. Ich alleine im Wald, Tag für Tag. Der nächste Besucher hat sich für den 2. Februar angemeldet. Die Phasen wechseln sich ab. Alles fühlt sich unwirklich an. Am Morgen mit Jürg unterwegs. Sprechen über eine Zukunft, die es nicht gibt. Kunst will und braucht niemand, mich braucht es nicht. Und doch bin ich. Ich male, als gäbe es kein Morgen. Ich weiss, das ist der Weg. Malen, als gäbe es kein Morgen. In jedem Moment. Nicht denken, was sein wird und könnte. Es ist still. Nur vom Dach tropft es, unablässig. Ich fühle mich wie im Rausch. Pech auf Blech. Leuchtfarbe auf Pech und Blech. Naturformen. Reduziert, weniger. Ich mache irgendetwas, singe, bin, Irrsein ist nicht weit. Ich will noch vorbereiten für den Kindergarten. Aber das scheint so weit weg, dass ich gar nicht glaube, dass ich jemals dort sein werde. Eine andere Welt kann tatsächlich nur eine Viertelstunde mit dem Auto weg sein. Oder zehn Minuten zu Fuss.
17. Jan. 2022
Eine Woche später denke ich anders und bin voller Tatendrang. Der Artikel ist in der Zeitung erschienen und es haben sich viele Besucher angemeldet. Die Gemeinde hat den Kaminfeger vorbeigeschickt und der Ofen raucht nicht mehr. Und ich werde mir bewusst, dass ich gar nicht mehr lange hier sein darf. Das motiviert mich, meine Projekte umzusetzen.
Ich will eine Abschlussarbeit machen. Jeden Tag komme ich einen Schritt weiter. Felle. Hinten auf Felle malen. Mit Tusche. Schwarz. Symbolische Sujets gefertigt aus einzelnen Strichen. Jetzt bleibt noch die Frage nach den Sujets. Es werden Dinge sein, die sich mir eingeprägt haben. Formen aus der Natur. Die Beerenstauden hinter dem Haus zum Beispiel.